Barocke Kirchenkanzel, Kanzelkorb

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    Situation vor der Abnahme (Kanzel, Schalldeckel, Sanduhr, Konsole)
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    Vor der Restaurierung, Vorderansicht im ausgebauten Zustand
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    Vor der Restaurierung: Ansicht von unten (Zahnfries, Kanzelfuß, Blüte)
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    Schalldeckel, Detail des Lambrequins
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    Einbausituation im Bereich des Kanzelfußes, rechte Seite, vor Abnahme
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    Buchpult, Vorderansicht mit Initialen und Jahreszahl (Lambrequin mit Quasten als Abschluss der Schürze)
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    Kanzelfuß, am schwersten durch Anobienfraß und Braunfäule geschädigter unterer Bereich
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    Detail während der Restaurierung: Kanzelfuß, Bruchstelle im Bereich des Wandanschlusses, Ergänzung mittels Stäbchenverleimung
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    Detail während der Restaurierung: Negativbild der Fehlstelle am linken Wandanschluss des Brustsimsprofils
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    Detail während der Restaurierung: Eingepasste Brettchen an der Kopfholzergänzung des linken Wandanschlusses vom Brustsimsprofil
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    Detail während der Restaurierung: Ergänzung des Gewindestabes für die Befestigung der Blüte am unteren Teil des Kanzelfußes
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    Während der Restaurierung: Kanzelfuß nach Fertigstellung der großen Holzergänzungen
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    Kniepolster im Inneren der Kanzel
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    Detail während der Restaurierung: Kniepolster, nach der Überpolsterung mit Rohleinen und Haferspelzen (Schäbe) als Füllung
Barocke Kirchenkanzel, Kanzelkorb .datiert 1743
Standort: Ev.- Luth. Kirche zu Bieberstein/ Reinsberg - Sachsen
Auftraggeber: Ev.- Luth. Kirche zu Bieberstein/ Reinsberg - Sachsen
Zeitraum: 2005
Technologische Untersuchungen, Erfassung und Dokumentation des Erhaltungszustandes, Erstellung eines Restaurierungskonzeptes, Restaurierung der Kanzel

Objektbeschreibung

Die Biebersteiner Kanzel ist im Bereich des südlichen Chorbogens in der Kirche angebracht und wurde als über die Sakristei erreichbare Refektoriumskanzel ausgeführt.
Die Kanzel ist annährend halbkreisförmig aufgebaut. Zu den besonderen Schmuckelementen gehören das Buchpult auf der rechten Seite der Brüstung und ein als Reli-efschnitzerei ausgeführter Lambrequin unterhalb des Brüstungsbrettes. Dem rundumlaufenden Brustsims folgt eine, mit regelmäßig abwechselnden Zähnen ausgestattete Profilebene. Die am unteren Abschluss des Kanzelkorbes angebrachten, nach unten enger werdenden Profile des Kanzelfußes münden in eine stilisiert angedeutete Blüte. Im Inneren ist die Kanzel mit einem Kniepolster ausgestattet.

Zum heute bestehenden Ensemble der Kirchenkanzel gehören der Schalldeckel, eine vierteilige Sanduhr und eine kleine Konsole, die auf der rechten Seite oberhalb der Kanzel an der Wand befestigt sind. Alle Bestandteile der Kanzel sind in einem gleichmäßigen warmen holzfarbenen Ton gehalten.

Durch die Initialen auf der Vorderseite des Buchpultes (M F V S, 1743) kann die Kanzel relativ sicher datiert werden. Dendrochronologische Untersuchungen belegen die zeitliche Einordnung um 1740. Ausgehend von den Initialen ist es wahrscheinlich, dass die Kanzel von Moritz Friedrich von Schönberg gestiftet wurde. Er war zu dieser Zeit Besitzer des Schloss Bieberstein und Patron der umliegenden Dörfer.

Material/ Aufbau/ Konstruktion
Der Kanzelkorpus wurde aus einem Teil eines Lindenstammes gefertigt. Sämtliche angesetz-ten Profilierungen und Schmuckelemente bestehen ebenfalls aus Lindenholz. Lediglich der Fußboden und die Zahnfriesebene unter dem Brustsims bestehen aus Fichtenholz.
Die Biebersteiner Kanzel war an fünf Punkten mit der Wand verbunden. Das Hauptgewicht der Kanzel trug ein Flacheisen, welches in die unterste Profilebene eingelassen und in der Wand eingemauert war. Unter dem Brüstungsbrett sind auf beiden Seiten der Kan-zel wiederum Eisen eingelassen. Sie bewahrten die Kanzel vor dem Abkippen und waren ebenfalls eingemauert. Zwei, nach oben und unten gebogene Haken verhinderten ein Herausrutschen aus der Wand.
Die zwei Seitenbretter der Zahnfriesebene mündeten ca. 15 cm in das Mauerwerk ein und waren eingeputzt. Sie schufen so eine zusätzliche Abstützung der Kanzel.

Der Oberflächenüberzug besteht aus einer Art halb lasierender, halb de-ckender Holzimitation. Durch den bereichsweise durchscheinend gehaltenen Überzug kommt die natürliche Zeichnung des Lindenholzes zur Geltung. Auf einen einheitlichen braunen Farbton wurden einzelne Holzstrukturen aufgemalt.
Bei diesem Überzug handelt es sich um eine Veränderung aus dem Jahr 1901. Damals wurde die Kanzel ”gereinigt“ und ”neu decoriert“. Durch naturwissenschaftliche Untersuchungen wurden Kopallack und Terpentinöl als Bindemittel und Mennige und Zinnober als Pigmentie-rung nachgewiesen.
Als jüngster Überzug wurde eine Wachsbehandlung (Kolophonium und Bie-nenwachs (evtl. mit Zusätzen von Terpentinöl)) festgestellt. Sie könnte aus der Zeit um 1973 stammen, in der Restaurierungsmaßnahmen in der Kirche durchgeführt wurden.
Bei der ursprünglichen Oberflächenbehandlung der Kanzel wird es sich sehr wahrscheinlich um eine farbig marmorierte Weißfassung auf einem Kreidegrund gehandelt haben. Bereiche dieser Fassung haben sich im unteren Teil der Kanzel, innerhalb von Vertiefungen und Innenkanten der Schnitzereien, an den Quasten und unterhalb des Buchpultes fragmentweiße erhalten. In der Literatur wird ebenfalls von Marmorierungen und Vergoldungen gesprochen.