Innungslade der Schkeuditzer Schlosser

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    Innungslade nach der Restaurierung
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    Innungslade: Vorzustand
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    Innungslade: Vorderansicht nach der Restaurierung
Innungslade der Schkeuditzer Schlosser .1771
Standort: Stadtmuseum Schkeuditz
Auftraggeber: Stadt Schkeuditz
Zeitraum: Januar – Mai 2012
Beschreibung:
Die Innungslade der Schkeuditzer Feuerhandwerker- Schmiede und Schlosser (Höhe 400 mm, Breite 700 mm und Tiefe 450 mm), kann auf das Entstehungsjahr 1771 datiert werden (intarsierte Jahreszahl aus Mooreichenholz auf der Vorderseite).
Der Grundkörper besteht aus Eichebrettern ( Eiche- Quercus robur, L.) mit Stärken zwischen 20 und 24 mm, welche an den Ecken mit durchgehenden Keilzapfen miteinander verbunden sind. An den Seitenflächen ist umlaufend als unterer Abschluss, eine Profilleiste ebenfalls aus Eiche, genagelt. Optisch an diese Profilleisten anschließend sind vier, in barocker Manier geschwungene Füße, stumpf am Unterboden untergeleimt.
Die Füße bestehen aus jeweils einem unverleimten Stück Eiche, an welchem an zwei Seiten die geschwungenen Profile angearbeitet sind.
In die Seiten und auf dem Deckel der Zunftlade sind umlaufende Querholzbänder mit ausgesetzten Ecken im Konturverlauf der jeweiligen Flächengeometrie eingelassen. Die Vorderseite ist dadurch betont, dass in die Spiegel der Querholzbänder die Zunftzeichen der Schmiede und Schlosser eingelassen sind. Im linken Feld sind zwei gekreuzte Schlüssel und ein Ziselierhammer, im rechten Feld ein großes Hufeisen, eine Zange mit Hammer und vermutlich eine Prägevorrichtung innerhalb des Hufeisens dargestellt.
Über beiden Feldern sind die einzelnen Buchstaben – I G A D E- eingelassen und innerhalb der beiden Felder die Jahreszahl – 1771.
Bei den Buchstaben I und G kann es sich um die Initialen des Ladenbauers handeln. Die Buchstaben ADE können ein anno domini ex oder erbaut bedeuten, so wie dies auch an vielen Häusern als Inschriftkürzel verzeichnet wurde.
Die Holzarten sind Pflaume (Prunus dom., L.), deutscher Nussbaum (Juglans regia, L.), Mooreiche (Quercus robur, L. subfossil) und ostind. Palisander (Dalbergia latifolia).
Im Innern der Zunftlade befindet sich an der linken Seite eine kleine Beilade mit Deckel, die im geöffneten Zustand, den Deckel der Innungslade aufrecht halten kann. Der Boden ist mit blauem Papier beklebt.
Der Deckel schlägt plan auf die Schmalseiten der Seitenwände auf und ist mit einer umlaufenden Profilleiste umrahmt. Er besteht aus drei, stumpf miteinander verleimten Eichenholzbrettern.
Auf dem Deckel sind zwei Schließbleche befestigt. Eines davon besitzt eine integrierte Vorrichtung zum Öffnen der Schlüssellochabdeckung. Das Schließblech besitzt ornamental, florale Formen mit Durchbrüchen und Gravuren, passend zum dazugehörigen Ladenschloss. Das Ladenschloss besitzt zwei schiessende Fallen, die durch Hebeldruck an zwei Knöpfen wieder aktiviert werden können. Das Möbelschloss ist ebenfalls mit reichlichem Gravurschmuck versehen. Grundsätzlich könnte das Schloss (größere von beiden) und das dazugehörende Schlüsselschild älter als die Lade und demzufolge zweitverwendet worden sein. Vergleichbar mit der Abbidlung bei W. Kilian : “ Möbelschloss mit zwei schiessenden Fallen- Renaissance 16. Jh.“.
Das zweite Schlüsselschild besitzt einfach ausgeschnittene, barocke Formen, ist kleiner und gehört zum ebenfalls jüngeren Kastenschloss an der Innenseite des Deckels.
Die Langbänder sind am Deckel mit Eisennägeln befestigt und die Scharnierrolle ist mit dem Gegenband an der rückwärtigen Innenseite der Lade befestigt. Ein interessantes Detail, durch Beschädigung leider nicht mehr wirksam, ist eine Zuhaltung zwischen Deckelinnenseite und Rückseite Ladenkasten. Beim Zuklappen des Ladendeckels griff ein befestigter Haken in eine metallumrahmte Öffnung in der Rückseite des Ladenkastens. Diese Vorrichtung besaß den Sinn, dass falls die Splinte der Langbänder an der Rückseite der Lade herausgeschlagen wurde, eine Zuhaltung den Deckel an der Rückseite weiterhin verschloss. An der Vorserseite waren die Fallen des Schlosses für die nötige Zuhaltung zuständig.
An den Seiten der Lade sind zur Transportfähigkeit zwei versplintete Fallgriffe mit graviertem Griffschild angebracht.
Die Beschläge, sowie das ältere Schloss sind ursprünglich verzinnt gewesen, was an den Langbändern noch sehr gut zu erkennen ist.
Die Zunftlade besitzt eine rötlich- transparente Oberflächenbeschichtung.

Leistung:
Holz:
Ergänzung aller Reparaturen an den Inkrustationen in vorgegebenen Holzarten in Sägefurnierqualität (3-5 mm). Lösen hohlliegender Furniere, Reinigen der Leimflächen und Neuverleimung mit Glutinleim. Reinigen und Schließen der Risse am Deckel. Lösen der gelockerten Deckelprofilleisten und Reparaturnagelungen, Reinigen der Leimflächen und Wiederanbringen der Leisten mit Holznägeln. Neuverleimung des gelockerten, linken Vorderfußes.
Niederlegen von gelösten Partien der Papierausklebung
Schädlingsbekämpfung von möglichem aktiven Befall der Innungslade durch Begasung.

Oberflächenbehandlung:

Trockene und feuchte Reinigung der kompletten Oberfläche außen wie innen. Dünnung der in Resten vorhandenen, rötlich gefärbten Oberfläche, um eine Fleckigkeit zu verhindern.
Bei der vorliegenden Oberfläche handelt es sich vermutlich um eine ursprünglich aufliegende Leimgrundierung und einen darüberliegendem sehr dünnen Wachsfilm (UV- Fluoreszenz grün- grau). Der Wachsfilm lässt sich auch dadurch begründen, dass sich die aufliegende, vermutlich schellackgebundene Schicht sehr leicht absprengen lässt, also eine schlechte Bindung an das darunterliegende Schichtenpaket hat.
Die rötliche Einfärbung des Schellackes wurde vermutlich durch die Zugabe von einem Farbharz wie Drachenblut erzeugt.
Nach der Reinigung und Dünnung der vorhandenen Oberflächenbeschichtung ist es für die Wiedergewinnung des Tiefenlichtes im Holz ratsam eine Ölgrundierung im Außenbereich vor dem erneuten Wachsauftrag durchzuführen. Eine Wachsoberfläche wurde auch vom Museum Schkeuditz für das Objekt als angebracht und gut pflegbar erachtet. Es sollten keine kunstharzgebundenen oder anderweitig synthetisch gebundenen Systeme ein- und aufgebracht werden.
Der roh belassene Innenbereich der Lade sollte ebenfalls mit einem Lappenwachs behandelt werden.

Metall:

Von beiden Schlössern, sollte das Ältere der beiden wieder gangbar gemacht und zum Alter des Schlosses ein passender Schlüssel wie in nachfolgender Abbildung zu sehen, angefertigt werden. Dazu muss das Schloss teilzerlegt und im Innern gereinigt werden. Der Schlosskasten, wie auch das Schließblech sind zu reinigen und mit den überbrachten oder angepassten Verbindungsmitteln am Deckel zu befestigen.
Die Langbänder und Gegenschließen im Innern der Lade, sowie die Fallgriffe an den Seiten sind zu reinigen und vom Flugrost zu befreien, soweit das im eingebauten Zustand möglich ist. Als konservierende Beschichtung wird mit einem Lappen mikrokristallines Wachs aufgetragen.

Dokumentation der ausgeführten Arbeiten in Wort und Bild