Wasserröhren, Röhrenfahrt, Holzkonservatorische Maßnahmen, Nassholzkonservierung

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    Zustand der Röhre R3 nach der Konsolidierung mit natürlichem Farbton, während des Nachtrockenvorgangs
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    Zustand nch der Konservierung der Röhre R3 nach der Konsolidierung mit natürlichem Farbton (ohne weiße Salzausblühungen), während des Nachtrockenvorgangs
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    Notdürftig eingelagerte Röhren nach der Bergung im Großen Garten Dresden
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    Einlagerungen von Erdreich in den Hohlräumen und in Oberflächenvertiefungen, Beginn der unkontrollierten Trocknung an der Oberfläche
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    Wässrige Reinigung im Oberflächenbereich, dadurch erkennbare Reste einer Röhrenbüchse (linkes Röhrenende), R1
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    Festigungsversuch unter Vakuum mit eingelassenem Festigungsmittel
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    Festigungsversuch durch Einlassen der Holzsubstanz mit Sebosil HB und anschließend mit Paraloid B 72 per Pipette
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    langsame und kontrollierte Nachtrocknung (Zwangslüftung) aller gefestigter Röhren in der Werkstatt
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    Nach der Konservierung: Stark abgebaute und konsolidierte Holzoberfläche von R3
Wasserröhren, Röhrenfahrt, Holzkonservatorische Maßnahmen, Nassholzkonservierung .18. Jh.
Standort: Fundort Großer Garten Dresden
Auftraggeber: Staatsbetrieb Schlösser und Gärten Dresden Staatsbetrieb SIB, NL Dresden 1
Zeitraum: April– November 2008
Es handelt sich bei den Objekten um sechs hölzerne Wasserleitungen in Einzelsegmenten und Fragmenten, die im Großen Garten in Dresden bei Wegbefestigungsarbeiten gefunden wurden. Bei den Röhren wird vermutet, dass sie ursprünglich zur Bewässerung der Pirnaischen Vorstadt vor den Stadtmauern Dresdens dienten, da die Anlegung des Großen Gartens und dessen Nutzung als Stadtpark später durchgeführt wurde.
Die Wasserleitungen bestehen aus Nadelholzstämmen welche eine durchgehende axiale Bohrung im Kernbereich haben. Durch Abbauprozesse im Erdreich sind die Splintbereiche der Stämme z.T. abgebaut und die Bohrungen somit freigelegt.
In welcher Abfolge und Aneinanderreihung die Wasserröhren gelegen haben und geborgen wurden, ist in diesem Rahmen nicht mehr nachvollziehbar.
Bei einem einzelnen Fragment sind noch Spuren der Baggerschaufel zu sehen. Bei diesem Teilstück handelt es sich vermutlich um das erste gefundene Stück, da wie der technische Leiter im Großen Garten bestätigte, alle weiteren Teilstücke per Hand und mit dem Spaten ausgegraben wurden.
Die Ausgrabungsarbeiten und direkte Einlagerung im Großen Garten (Schuppenanbau Freilichtbühne Junge Garde) erfolgten im Dezember des Jahres 2007.

Vergleichsobjekte
Vergleichbar in Hinsicht auf die Herstellungsweise und den Erhaltungszustand sind die hölzernen Röhren einer Wasserkunst nach J. G. Agricola im Bergbaumuseum Ehrenfriedersdorf, sowie die Röhren einer ehemaligen Wasserversorgung der Stadt Pirna, ausgestellt im dortigen Stadtmuseum.
Bei den hölzernen Röhren in Ehrenfriedersdorf handelt es sich um Teile einer fast voll-ständig erhaltenen Radpumpe aus dem 16. Jh. zur Entwässerung des Sauberger Stollns, der zur Silbererzgewinnung diente. Die Röhren steckten vertikal ineinander, um das Grubenwasser aus bis zu 660 m Tiefe an die Erdoberfläche zu transportierten. Die Herstellung der Röhren erfolgte vermutlich ähnlich wie bei denen des Großen Gartens in Dresden.
Bei den Ehrenfriedersdorfer Röhren wurden u. a. Laubhölzer, vermutlich der besseren Stabilität gegenüber Dauerfeuchte und gelösten Mineralen wegen verwendet.

Ein Fragment der Pirnaer Wasserleitung (”Pirnaer Röhrenwasser“) befindet sich in der Dauerausstellung des Stadtmuseums. Nach Aussage der dortigen Museumsarchäologin und der Einsicht in die Inventarkartei sind das Fragment und ein anderes um 1975 bei Grabungen auf der oberen Burgstrasse 13 in Pirna gefunden und zwischenzeitlich auf den städtischen Bauplatz verbracht worden. Das größere von beiden Fundstücken (12 und 85 cm) soll Mitte der achtziger Jahre unkonserviert in die Dauerausstellung gelangt sein. Bei dem ausgestellten Fragment handelt es sich um ein sehr gut erhaltenes Stück vermutlich aus Laubholz (Reifholzbaumart, Durchmesser durchschnittlich 24 cm, Bohrungsdurchmesser rund 8 cm). Der gute Erhaltungszustand ist auf die Holzart und die vermutlich langsame Trocknung im wettergeschützten Außenklima zurückzuführen (5 bis maximal 10 Jahre).
Die Art der Verbindung der Röhren untereinander, der genauere Fundort und die Situation sind nicht mehr nachvollziehbar.

Herstellungstechnik

Röhren aus Holz wurden in der vorindustriellen Zeit entweder mit Wasser- oder Menschenkraft hergestellt. Die Verwendung von Holzröhren oder auch Röhrenfahrten sind im Zeitraum zwischen dem 13.- 19. Jh. für Dresden belegt. Nach mündlicher Aussage wurden z. B. in Pirna nach dem 2. Weltkrieg (nach 1945) aus Baustoffmangel noch Holzröhren für die Wasserversorgung hergestellt.
Bohrungen führten die Brunnenmeister, Kunstmeister (Wasserkunst) bzw. Kunstbohrer mit speziellen Gerätschaften aus.
Dazu wurden gerade gewachsene Bäume (Mittelstamm) mit Mindestdurchmessern, die nach einer Bohrung zwischen 6- 10 cm noch genügend Wandstärke aufweisen konnten, ausgesucht.
Die Auswahl der Holzart erfolgte je nach umgebenden Vorkommen und Aufgabe. So wurde für die Wasserleitungen der Radpumpe in Ehrenfriedersdorf u.a. Laubholz verwendet, da dieses vermutlich unanfälliger gegen chemische Prozesse war.
Die ausgesuchte Stammware wurde auf eine bestimmte Länge gebracht (je nach Bohrerlänge bis 4m) und auf einem Arbeitsgestell liegend befestigt.
Je nach Methode wurde der Stangenbohrer zentriert und per Hand eingedreht oder der Bohrer wurde durch Wasser- oder Pferdekraft gedreht und der Stamm in den Bohrer hineingeschoben.
Für verschiedene Arbeitsgänge gab es auch spezielle Bohrer mit schmalen und breiten Löffeln oder mit Eindrehhaken.
Möglicherweise musste das Bohren mehrfach wiederholt werden, je nach gewünschter Durchflussmenge.
Vgl. Rühle: ”Das niedere Stadtwasser fließt in 3 böhrigte(n) Röhren in die Stadt. Die Röhren dazu wurden aus starken Kiefern gebohrt. Die dreibohrigen Röhren hatten einen Bohrdurchmesser von 8,8 cm.“
Die Verbindungen der Röhren untereinander waren unterschiedlich geformt.
Nach dem Bohren wurde entweder je ein Ende des Stammes verjüngt und in das breitere Ende eines anderen Stammes eingelassen. Damit das dabei gedehnte Ende des Stammes nicht auseinanderbrechen konnte, wurden Metallzwingen übergezogen.
Oder die Verbinder waren wie bei den hier behandelten Fundstücken sogenannte ”Röhrenbüchsen“. Das sind eiserne Ringe, die ineinander passten und in die beiden zu verbindenden Enden der Röhren eingeschlagen wurden. Dabei durften die Ringe nur so weit in das Holz eingeschlagen werden, dass mit deren Überstand die Röhren ineinander geschoben werden konnten.
Die Röhren wurden meist nur in geringer Tiefe in den Boden gelegt um bei Reparaturen einfacher herausgenommen werden zu können. Bei starken Bodenfrösten wurden sie damit jedoch auch leichter reparaturanfällig. Um größere Wasserverluste durch undichte Stellen innerhalb der Röhren zu vermeiden, wurden sie z.T. auch auf Lehm oder Tonschichten verlegt, die wiederum wasserführend sind.
Versuche in Pirna, die Holzröhren 1756 durch tönerne zu ersetzen, schlugen wegen undichter Verbindungsstücke, sowie zu hohen Kosten fehl.